Portrait
Sebastian Paul, Karosseriebauer


"Was treibt einen jungen Menschen dazu zwei Jahre nach England zu reisen, um das alte Handwerk des Blechrollens zu erlernen?

Ich heiße Sebastian Paul, bin 23 Jahre alt und komme aus der Schweiz. Um Euch eine Antwort auf die einleitend gestellte Frage zu geben muss ich zurück in meine frühe Jugend gehen, wo der Grundstein für diese nicht ganz alltäglichen Reise liegt.
Schon damals verspürte ich den Drang, mich handwerklich zu betätigen. Dabei entdeckte ich auch die Freude am Reparieren und Instandsetzen von mechanischen Geräten. In einer lokalen Werkstatt, die sich auf das mechanische restaurieren von alten Fahrzeugen spezialisiert hat, ging ich auch schon bald regelmäßig ein und aus. Die mit Liebe zum Detail gefertigten alten Autos, begannen mich mehr und mehr zu faszinieren.
Als es dann einige Jahre später zur Wahl einer Berufsausbildung kam, wusste ich sofort, dass es Automechaniker sein sollte. Bei einer Schnupperlehre merkte ich aber bald, dass der heutige Automechaniker mit dem Automechaniker der Anfangszeit des Automobils nicht mehr viel gemeinsam hat. Die vielen elektronischen Anwendungen und das Auswechseln ganzer Komponenten bei den modernen Autos sagte mir zuwenig zu und ich entschloss mich stattdessen für eine Ausbildung als Polymechaniker. In dieser vierjährigen Ausbildung lernte ich das konventionelle und computerunterstützte Bearbeiten von Metallen mit dem Drehbank, der Fräsmaschine und der Bohrmaschine.

Nach dem erfolgreichen Abschluss der Ausbildung kehrte ich zu meiner lokalen Werkstätte zurück und half dort bei der Restaurierung verschiedenster Autos.
Bald merkte ich, dass hinter diesen Autos mehr steckt als nur die Mechanik, die mich bis dahin so fasziniert hat. All die anderen Komponenten, angefangen bei den Sitzpolstern über den Holzrahmen bis zu den Karosserieblechen, wurden von talentierten Handwerkern mit sehr viel Geschick und Können größten Teils von Hand und nur mit der Unterstützung primitivster Maschinen hergestellt.
Durch meinen damaligen Chef erfuhr ich vom Leeds College of Technology in England und dessen zweijährigen Kurs für das Erlernen dieser alten Handwerkskünste.
Ich war sofort hell begeistert von diesem Kurs. Nach Absprache mit meinen Eltern und ihrer Zusicherung einen Teile der Unterhaltskosten zu übernehmen, stand für mich nichts mehr im Wege nach Leeds zu gehen.

Im September 2003 war es dann soweit. Ich startete mit zwölf Kollegen den Kurs "Vehicle Restoration City and Guilds of London". In den nächsten zwei Jahren bekam ich Einblick und Schulung im Bearbeiten von Blechen und Herstellen von Karosserieteilen, Holzarbeiten an Autos, das Lackieren und Spritzen von Karossen, dem Autosattlerhandwerk und der Mechanik. Neben vielen praktischen Anwendungen gab es auch immer wieder theoretische Lektionen zum Beispiel über die Geschichte des Automobils und dessen Entwicklung.
Um den Rest der Studienkosten zu bestreiten arbeitete ich neben den vier Kurstagen noch zwei Tage pro Woche. Das erste Jahr in einer Werkstatt, die sich auf das Restaurieren von Austin Healeys spezialisiert hatte. Das zweite Jahr bei einem traditionellen englischen Coach- Builder/Panel-Beater, wo ich mithalf, ganze Karosserien unter anderem mit der Rollenstreckmaschine zu restaurieren.

Die zwei Jahre in England vergingen sehr schnell und momentan bin ich wieder in der Schweiz. Ab kommenden Sommer habe ich im Sinne, nochmals ins Ausland zu gehen. Wohin und wann genau werde ich euch hier mitteilen, sobald ich genaueres weiß.

Übrigens die treibende Kraft, das Handwerk des Blechrollens zu erlernen, ist die Herausforderung, ein zu restaurierende Stück mit den eigenen Händen möglichst perfekt herzustellen und somit bleibende Werte zu schaffen. Es bildet einen ganz klaren Gegenpol zu der heute weit verbreiteten "Wegwerfmentalität", wo möglichst schnell und billig produziert wird."

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