Portrait
Markus Mrotzek, Karosseriebaumeister


"Seit ich 12 Jahre alt war, interessiere ich mich für Autos. Daher erlernte ich den Beruf des Karosseriebauers. Heute werde ich häufig mit neuen Herausforderungen konfrontiert und jeden Tag aufs Neue bestätigt sich für mich, dass ich meinen Traumberuf gefunden habe. Ich werde oft gefragt, warum ich gerade den Beruf des Karosseriebauers erlernen wollte, der ja sehr praxisorientiert und schmutzig ist, im Gegensatz zu irgendeinem Bürojob. Die Antwort ist für mich eigentlich ganz einfach.

Ich habe mich schon als Kind viel mit dieser Materie befasst und früh gemerkt, dass die Grundvoraussetzungen für einen solchen Beruf Leidenschaft und Herzblut sind.

Wenn man vor hat, reich zu werden und möglichst wenig dafür zu tun, dann ist man im Karosseriebau falsch.

Jeder Unfall und jede Restauration birgt neue Herausforderungen, da kein Unfallwagen und keine Restaurierung auf die gleiche Weise zu reparieren bzw. umzusetzen ist. Es ist nicht die Reparatur von Bagatellschäden, wie das Ausbeulen oder Austauschen von Kotflügeln, die den Beruf so interessant machen, sondern die Reparatur großer Schäden - ob es das Erneuern ganzer Heck oder Frontpartien an neueren Fahrzeugen ist, oder die Restaurierung einer Pagode.

Auch kleine Fehler zu finden, die auf den ersten Blick nicht erkennbar sind, erfordert viel Ehrgeiz und bei der Behebung ein hohes Maß an Präzision und Fingerspitzengefühl.

Die Freude am Basteln vermittelte mir mein Onkel, der eine Kfz-Werkstatt hatte, in der er mich größtenteils selbständig und frei experimentieren ließ. So konnte ich in alle Kfz-Bereiche vom Lackieren bis zur Elektrik hineinschnuppern und für mich selbst herausfinden, was mir gefällt.

Später im Beruf hatte ich zudem einen guten Kollegen, der mir mit genauso viel Leidenschaft und Eifer das Handwerk beibrachte, wie damals mein Onkel. Heute versuche ich weiterzugeben, was mir weitergegeben wurde.

Manchmal wird man etwas schief angeschaut, wenn man mit öligen Händen und in seiner Arbeitskleidung Kunden betreut. Umso schöner ist das Gefühl aber, wenn man nach einer erfolgreichen, schwierigen Reparatur den Respekt und die Bewunderung des Kunden erntet.

Leider habe ich die Erfahrung gemacht, dass viele Menschen Vorurteile haben hinsichtlich handwerklicher Berufe, weil mit Handwerk meistens zuerst einmal Schmutz assoziiert wird.

Ich denke, das ist vielleicht ein Grund, warum viele Jugendliche davon abkommen, ein Handwerk zu erlernen. Die Technik von heute verlangt aber von einem Karosseriebauer weitaus mehr, als Schrauben und Ausbeulen. Gerade Bereiche, wie Leichtbau, der Umgang mit höherfesten Stählen oder auch die Elektronik in den neueren Fahrzeugen, die mit armdicken Kabelbäumen ausgestattet sind und mehr Steuergeräte haben als die erste Mondfähre, verlangen ein enormes Wissen und den Willen sich weiter zu bilden.

Ich kann jedem nur raten, der mit dem Gedanken spielt, in diesen Beruf einzusteigen, jedwede Profitgedanken zu verwerfen und diesen Beruf aus Überzeugung zu wählen. Denn nur, wenn man diesen Beruf mit Leidenschaft und Überzeugung ausübt, kann man als Handwerker bestehen und bald kommen Aufträge, Kunden und der Erfolg von ganz alleine."
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